„Digital Native“ oder „Back to the Roots“?

Als ich noch zur Schule gegangen bin, haben meine Lehrer oft von einer Fähigkeit geredet, ohne die wir es im heutigem Arbeitsleben zu nichts bringen könnten. Nach und nach hat sich diese Fähigkeit in die Ausbildung von Schülern eingeschlichen und wurde schließlich so wichtig, dass sie nun als fast so grundlegend angesehen wird, wie schreiben zu können, oder die Grundrechenarten zu beherrschen. Die Rede ist von Medienkompetenz.

Und meine Lehrer hatten Recht. Ohne Medienkompetenz ist es unmöglich, sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten. Perfekte Kenntnisse in allen Office Anwendungen, wie Excel oder Power Point, sind die absolute Voraussetzung und auch der Umgang mit jeglichen Social Media Kanälen wird als Basic angesehen.

Aber was ist Medienkompetenz eigentlich genau? Laut dem Medienpädagogen Dieter Baacke besteht dieses Konstrukt aus Medienkunde, Mediennutzung, Mediengestaltung und Medienkritik. Ehrlich gesagt hat, zumindest meine Schule, damals einen ziemlich schlechten Job gemacht, bei der Vermittlung von Medienkompetenz (dazu in einem anderen Beitrag mehr). Aber dennoch kenne ich niemanden in meinem Alter, der diese Fähigkeit nicht perfekt beherrscht. Und das liegt einfach daran, dass wir alle ständig mit Medien konfrontiert sind. Unser Handy ist praktisch zu einem weiteren Körperteil geworden, denn wir tragen es immer mit uns herum. Manchmal kommt es sogar soweit, dass wir uns nackt fühlen, wenn wir es doch einmal nicht zur Verfügung haben.

Aber ist doch super oder? Denn die Digitalisierung schreitet ja schließlich nicht ohne Grund so schnell voran. Sie bietet uns viele Möglichkeiten und Chancen. Im Privaten beispielsweise durch die Vereinfachung der Kommunikation und neuen Möglichkeiten zur Unterhaltung. Im Beruflichem beispielsweise durch die Vielfalt an einfach zugänglichen Informationen. Und auch Home Office ist durch die Digitalisierung möglich und auch völlig normal geworden.

Aber die Digitalisierung hat auch Schattenseiten, die, je weiter sie sich entwickelt, immer deutlicher werden. Lebensbereiche verschmelzen miteinander, sodass Arbeit und Privates nur noch schwer trennbar wird. Unsere zwischenmenschlichen Beziehungen ändern sich und die Erwartungshaltung entwickelt sich oft in Richtung einer ständigen Erreichbarkeit. Wir verbringen unglaublich viel Zeit auf Social Media Kanälen, ohne daraus einen Nutzen zu ziehen. Wie oft bist du abends zu spät ins Bett gegangen, nur weil du zu lange sinnlos auf Instragram gescrollt hast und warst deshalb am nächsten Morgen viel zu müde? Und auch die vielen Informationen die tagtäglich auf uns einströmen, können uns verwirren und beeinflussen, in Richtungen, die wir gar nicht wollen.

Die Digitalisierung bringt viele Vorteile mit sich, aber es ist wichtig, dass man damit umgehen kann. Und genau diese Fähigkeit kommt viel zu kurz, denn hierbei geht es nicht um Medienkompetenz. Es geht darum, selbstbestimmt mit Medien umzugehen. Sie zu seinem Vorteil zu nutzen, sich aber dennoch nicht davon einnehmen zu lassen. Sich Freiräume zu schaffen, für Dinge die einem wirklich wichtig sind. Und auch darum, im Hier und Jetzt zu leben und nicht in einer digitalen Blase.

Und genau darum geht es bei „Einfach mal abschalten“ – um einen selbstbestimmten Umgang mit Medien und um die Balance in einer digitalen Welt.

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