Warum „Selfcare“ uns kaputt macht

Das Konzept „Selfcare“ hat in den letzten Jahren einen unglaublichen Hype erlebt. Es wirkt ein bisschen, wie ein universales Heilmittel. Du hattest Stress auf der Arbeit? Selfcare. Dein Freund hat mit dir Schluss gemacht? Selfcare. Du hast eine Prüfung verhauen? Selfcare. Du hast eine Panikattacke? Selfcare. Es scheint einfach gegen alles zu helfen.

Doch was bedeutet Selfcare überhaupt? Wenn ich daran denke, denke ich an Schaumbäder, Gesichtsmasken, Netflix, leckeres Essen,…Es scheint grundsätzlich darum zu gehen, sich etwas Gutes zu tun und so richtig zu entspannen. Sich einfach um sich selbst zu kümmern. Hört sich grundsätzlich super an oder?

Aber hier sehe ich ein grundsätzliches Problem. Selfcare wird zwar als Heilmittel dargestellt, ich sehe es aber eher als eine Art der Verdrängung. Denn diese ganze Entspannungssache löst auf lange Sicht vermutlich keine deiner Probleme, oder macht sie eventuell sogar noch schlimmer, wenn du dich so der Verantwortung entziehst. Versteh mich nicht falsch, manchmal kann das Ganze durchaus helfen. Wenn man beispielsweise eine stressige Woche hatte, ist so ein „Selfcare-Tag“ ziemlich sinnvoll, oder auch wenn man einfach mal Abstand von einem Problem braucht. Selbstführsorge ist grundsätzlich eine ziemlich wichtige Sache. Die Problematik liegt nur in der einseitigen Darstellung.

Die derzeitige Vorstellung von Selfcare scheint zudem nicht mehr zeitgemäß zu sein. Durch die Digitalisierung hat sich das Leben in den letzten Jahren sehr gewandelt. Home Office wird immer häufiger und gerade in der derzeitigen Situation findet alles online statt. Der klassische 9-to-5 Alltag wird immer seltener. Mit diesem Wandel verändern sich auch die Herausforderungen. Den Alltag selbst zu strukturieren und sich selber zu motivieren, das sind die neue Stressquellen. Das ursprüngliche Verständnis von Selfcare hilft hier gar nicht, sondern hilft nur, sich nicht so schlecht zu fühlen, wenn man nichts auf die Reihe bekommt.

Wie also soll Selfcare in Zukunft aussehen? Es ist wichtig, dass Selbstführsorge mehrdimensional gesehen wird. Mach was dir gut tut. Manchmal tut es gut, einen Tag lang einfach nur Serien zu schauen. Wenn du das allerdings jeden Tag machst wird es kritisch. Manchmal ist das was man braucht, etwas worauf man eigentlich keine Lust hat. Geh Joggen, mach den Arzttermin, schreib die Hausarbeit, spare dein Geld, anstatt den hundertsten Lippenstift zu kaufen,…

Selfcare ist jetzt wichtiger als jemals zuvor, denn noch nie waren wir in so einem Maße für uns selbst verantwortlich wie jetzt. Es ist wichtig, ehrlich mit sich zu sein. Denn der ursprüngliche eindimensionale Ansatz von Selfcare macht einen auf Dauer kaputt.

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